Es war bei Nacht – ganz leis, ganz sacht,
da flog ’ne Motte durch die Nacht.
Ein kleines Wesen, still, benommen,
vom Fliegen selbst schon leicht beklommen.
Sie sah ein Licht. So hell! So klar!
Sie rief: „Da ist er! – Der Sinn ist da!“
Und flatterte, mit stolzer Brust,
in heißer, heil’ger Flieg’lust.
„Ich will ins Licht!“, sprach sie verwegen,
„Ich will den Sinn! Und nicht nur Regen!“
Sie kam ihm nah, ganz ohne List —
und rief: „Wie schön Erleuchtung ist!“
Da machte’s zisch – ein kleiner Klang,
ein Funke, kurz, ein Hauch, ein Drang.
Dann ward es still. Nur noch der Raum
bewahrte ihren Flügeltraum.
(Pause. Ein mildes Lächeln.)
Vielleicht war’s Torheit,
vielleicht – Verstand.
Vielleicht hat sie das Licht erkannt.
Und wenn sie ging,
so ging sie sacht,
ins Helle –
nicht ins Dunkel der Nacht.


