Der auf dem Podest

Ich hatte das Glück oder die Fügung ohne Idol aufzuwachsen. Die frühen 60er Jahre waren eine Zeit, in der wir in unserer Clique ohne Führer oder Häuptling auskamen. Einer hatte eine Idee, anderen fanden Gefallen daran und dann haben wir es gemacht. Zumindest diejenigen die Gefallen gefunden hatten. Die anderen eben nicht. Und wir hatten über Jahre Spaß dabei zusammen zu sein. Und später verlief es sich wieder. Ohne bestimmten Grund. einfach so. Die einen gingen dahin, die anderen dorthin. Wenn ich heute einen aus der damaligen Clique treffe, freuen wir uns beide. Wenn nicht, dann ist es eben auch so. Wir waren Mädchen und Jungs, Paare und Singles, mal so, mal so. Jugendlich eben.

Natürlich hatten wir bevorzugte Musik, mal die eine, mal die Andere. Und jeder eine etwas Andere. Wir waren keine Fans. Und wir hatten keine bevorzugte Kleidermarke. Wir zogen an, auf was wir Lust hatten. Und manch Erwachsener wechselte auch mal die Straßenseite, wenn er einen von uns sah. Einfach weil ihm die Kleidung nicht gefiel;-).

Wir vermieden dadurch etwas, was ich dann später schmerzlich lernen durfte.

Wenn Du von jemandem auf einen Podest gestellt wirst, fängt er ganz automatisch auch damit an, dem Podest, im übertragenden Sinne, auch wieder die Beine abzusägen. Ganz einfach weil sich niemand auf Dauer für klein fühlen möchte.

Wenn ich heute meinem jugendlichen Ich einen Rat mitgeben könnte, dann wäre es dieser:
Bleib dabei, niemals auf jemanden hinauf schauen und niemals auf jemanden herab schauen. Es verletzt euch nur beide.

Bis gleich

Iyánéé

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