Die Reise lehrt uns, nicht in Kategorien wie „richtig“ und „falsch“ zu denken. Denn was ich für mich als richtig bewerte, kann ein anderer als falsch bewerten. Wer hat in solch einem Fall dann Recht?
Wann bewerte ich denn etwas als „richtig“? Wenn die Gedankenkette in meinem Gehirn eine logische Schlussfolgerung hervorbringt, dass eine Situation mir mehr Vorteile als Nachteile bringt? Heißt das mein Ego legt die Parameter fest?
Oder bewerte ich etwas als „richtig“ wenn es sich für mich gut anfühlt? „Ich hatte da so ein gutes Bauchgefühl“, hört man oft von Leuten, die darauf setzen, eine richtige Entscheidung durch ein Gefühl abzugreifen, bevor es ins Hirn aufsteigt und dort alles „kaputt gedacht“ werden kann. Aber was ist denn dieses Bauchgefühl, von dem so geheimnisvoll geredet wird und das entgegen unserem Gehirn angeblich so viel bessere Entscheidungen treffen kann?
Kann es nicht sein, dass man in diesem Fall lediglich das Denkorgan ändert und den Bauch zum Denken nutzt? Vielleicht hat das Hirn in der Vergangenheit ein paar Entscheidungen getroffen die wir bereut haben und deswegen lassen wir jetzt mal die Mannschaft ein Stockwerk tiefer entscheiden?
Woher kommen denn meine Gefühle?
Bewerte ich eine Situation als „falsch“, dann resultiert das häufig daraus, dass ich diese Situation mit bereits in mir gespeicherten Daten abgleiche, wodurch zum Beispiel das Gefühl der Angst aufsteigt.
Erzählt mir jemand von einem geplanten Bunjeesprung, wird meine Höhenangst diese Situation als gefährlich, ergo „falsch“ bewerten. Jemand der diese Angst nicht hat, wird den Sprung als „Gefühl der Freiheit“ komplett gegenteilig werten. Bin ich dann ein langweiliger Spießer oder ein verantwortungsbewusster Erwachsener? Ist der andere dann ein lebensmüder Spinner oder ein cooler Lebenskünstler?
Habe ich wirklich nur die Wahl zwischen dem Hirn-Team, das mit Anzug und Krawatte, durch dicke Brillengläser alle Optionen und deren Gewinnchancen für mich durchrechnet und dem emotionalen Team, das ständig am heulen und schreien ist und sich wünscht, jemand würde es mal fest in den Arm nehmen?
Die Behauptung eine Bewertung aus dem Gefühl heraus, sei besser als eine Bewertung aus dem Denken, ist folglich weiter zu betrachten.
Wie kann ich also Entscheidungen treffen, ohne all diese Anteile in mir, die versuchen mich in die eine oder andere Richtung zu ziehen?
Wenn ich mein Ego anhalte und eine Situation bewusst beobachte, ist eine Bewertung nicht mehr möglich, genauso wenig wie eine emotionale Verstrickung. Ich sehe die Dinge nur noch so, wie sie sind. Völlig wertfrei.
In diesem Zustand, in dem nichts mehr in mir denkt, sondern ich nur noch bin, bin ich offen für die Wahrheit der Situation. Gleichwohl fällt in diesem Moment die Frage nach der Bewertung komplett ins Abseits, denn die Kategorisierung in „richig“ und „falsch“ ist nicht mehr vorhanden. Es können plötzlich alle Optionen und deren Verläufe gleichzeitig wahrgenommen werden.
Was dann einsetzt, ist ein Verständnis dafür, was FREIER Wille bedeutet. Dieser Wille kann nur aus einem Zustand entspringen, in dem es weder „richtig“ noch „falsch“ gibt, es gibt lediglich das Sein, dass stets alle Optionen umfasst.
Es sind das Nichtstun und das innere Betrachten, das den Unterschied macht, zwischen dem Suchenden und dem der angefangen hat zu Finden. Die Erkenntnis ist, dass es nichts zu Suchen gibt, denn nichts ist verloren.
Es ist alles da, hier und jetzt, in dir.
Daniela Uhl


